Rezension zu „E.L.K.“ und „ZAPFEN“

Das Doppelbild strahlt eine edle Stille aus.

links: „E.L.K.“ Joerg Waehner rechts: „Zapfen“ Ophelia Beckmann

Der Blick fällt auf ein Diptychon, den Randbereich eines schweizerischen Bergbauernhausfensters und auf einen Tannenzapfen.

Joerg Waehners Zugang ist im wahrsten Sinne komplex. Er erobert sich seinen Gegenstand durch die biografisch geschichtliche Bewußtmachung der Lebenssituation von ELK ( Ernst Ludwig Kirchner) im Ganzen, seiner Lebensführung, seiner Ängste, seiner inneren Dramen. Durch das Sich Einleben in die Energie des Ortes, indem er dorthin reist und eine kleine innige Zeit dort lebt, wobei er die Energie des Damaligen aufnimmt und in dem Haus schläft. Zusätzlich die Energie des aktuellen politischen mit einfließen lässt in das Verstehen, welches sich als aufgeregt hektisches in einen Kontrast stellt, zusammen mit der Wirkung der Naturumgebung, der gebirgigen dunklen Einsamkeit, der Ablenkungslosigkeit und den wechselnden Lichtverhältnissen.
In dieser Umgebung wird Jörg tätig und bildet seine Empfindung ab in Zeichnungen, Fotografien, Gedichten, Texten und dem Entwurf eines essentiellen/basalen dreiteiligen Porzellans. So bekommt die geistige Essenz des so Erlebten in jedem „Material“ einen ihm eig-nenden Ausdruck.

Sein Teil des Diptychons lässt uns all das erfahren als einfache, klare, ästhetische und meditative Schönheit, vor der man vergessen könnte um die ganze Geschichte dahinter, aber dann wäre es unvollkommen.

Ophelia Beckmanns Zugang zu ihrem Objekt ist von entgegengesetzter Art. Sie nimmt Pflanzenteile in den Blick und dokumentiert ihren Zerfall, ihr Vergehen in intim-feiner Nähe, wobei paradoxer Weise sich Bilder von intensiver Lebendigkeit ergeben, als würde in den Pflanzen ihre ganze Lebendigkeit des gelebten Lebens in den Elementen Licht, Luft, Wasser und Erde erhalten haben. Es ist als läge man auf einer Sommerwiese unter einem Baum und schaute durch die Krone des Baumes in einen unendlichen Himmel.

Das ausgewählte Bild eines Tannenzapfens zeigt eine hohe, fast mathemathische Regelmäßigkeit, aber nur fast, die Form hat noch genug Unregelmäßigkeit um lebendig zu wirken. Aufrecht steht der Zapfen vor dunklem Hintergrund und richtet damit innerlich den Betrachter auf und erinnert ihn an seine vornehme Menschlichkeit, seine Würde.

So wirkt der Zugang von Joerg Waehner eher ganzheitlich, weiblich, einfühlsam, zart schmeckend und Ophelia Beckmann ist eher analytisch, männlich abtrotzend, dennoch respektvoll. Beide treffen sich in einer meditativen Stille, die das Diptychon ausstrahlt, welches farblich und in der Größe so gut harmoniert als wäre der Ausgangspunkt für die Werke ein gemeinsamer gewesen.

Christoph Beckmann, 27.07.2018